Häufiger Gast der Auffangstation: „Vogel des Jahres 2017- der Waldkauz“

Staatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch MdL übergibt junge Waldkäuze der Auswilderung durch den Deutschen Falkenorden

 

Karlsdorf-Neuthard - Seine Jungen sind häufig Gäste in der Auffangstation des  Deutschen Falkenorden (DFO) bei Bruchsal: der Waldkauz. Dieser ist 2017 zum „Vogel des Jahres“ gekürt worden.

 

„Der Waldkauz ist mit ungefähr 8.000 Brutpaaren die häufigste Eulenart in Baden-Württemberg, und der Waldkauz zeigt, dass Artenschutz im Land funktioniert. Unsere naturnahe Waldwirtschaft und unser Konzept zur Förderung von Alt- und Totholz schaffen hierfür eine wichtige Grundlage. Der Deutsche Falkenorden und seine engagierten Mitglieder leisten wertvolle Arbeit, wenn es darum geht, in Not geratene Tiere wieder fit für ein Leben in der Natur zu machen“, sagte die Staatssekretärin im Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, Friedlinde Gurr-Hirsch MdL, am Freitag (26. Mai) in Karlsdorf-Neuthard (Landkreis Karlsruhe).

 

Der Waldkauz beginnt oftmals schon im Februar mit der Eiablage in Nistkästen oder Baumhöhlen. Wird es den Jungen zu eng in der elterlichen Bruthöhle oder kommt es- wodurch die Eltern nicht mehr in der Lage sind ihre Brut ausreichend zu versorgen- durch einen erneuten Wintereinbruch zu einem Engpass bei der Hauptbeute (Mäuse), verlassen die jungen Käuze ihre sichere Höhle oftmals schon vorzeitig. Sie landen dann auf dem Waldboden, wo sie schutzlos umherstreunenden Katzen oder natürlichen Feinden wie dem Fuchs oder auch dem Uhu ausgeliefert sind. Oft werden diese jungen Käuze von Spaziergängern aufgefunden und als vermeintlich hilfsbedürftig aufgenommen. „Der größte Teil der bei uns abgegebenen jungen Waldkäuze benötigt eigentlich gar keine Hilfe. Meistens genügt es, die Bruchpiloten außer der Reichweite von Beutegreifern in die unteren Äste eines Baumes zu setzen, denn junge Käuze sind ausgezeichnete Kletterer. Das Berühren eines Jungvogels führt anders als bei Säugetieren auch nicht dazu, dass er nicht mehr von den Eltern angenommen wird. Sollten sie jedoch einen völlig apathisch wirkenden Jungvogel finden, der keine Abwehrhaltung mehr zeigt oder nicht mehr flüchtet- merken Sie sich unbedingt den Fundort für ein mögliches, späteres  Zurücksetzen des Jungvogels  und suchen Sie umgehend einen vogelkundigen Tierarzt auf. Unternehmen Sie bitte keine selbstständigen Fütterungsversuche- das kann, auch wenn Sie es gut meinen, das Todesurteil für den Jungvogel sein. Der Tierarzt wird den Patienten nach entsprechender Behandlung an eine sachkundige Station weitervermitteln, die dafür Sorge tragen wird, dass das Tier professionell auf seine Auswilderung vorbereitet wird.“, so Stephan Wunderlich, Vorsitzender des DFO in Baden-Württemberg. Im Falle der Auffangstation in Karlsdorf-Neuthard bedeutet dies, dass die jungen Waldkäuze, sobald sie selbstständig in der Lage sind zu fressen, mit gleichaltrigen Artgenossen in eine groß dimensionierte Auswilderungsanlage überführt werden. Dort lernen die Pfleglinge das selbstständige Beutemachen. Sobald sie dies beherrschen, wird die Anlage über Nacht geöffnet und es findet eine kontrollierte, stufenweise Entwöhnung statt. Tagsüber sind die jungen Waldkäuze in der Anlage vor den hartnäckigen Übergriffen durch Rabenvögel geschützt, nachts werden sie noch mit Futter versorgt, bis sie sich zunehmend von der Anlage entfernen und selbstständig Beute machen.

An Zäunen droht der Tod

 

Durch die hohe Aktivität bei der Nahrungsbeschaffung verunglücken in der Zeit von Februar bis in den Juni aber auch viele Altvögel: „Verunfallte Elterntiere stellen unsere Tierärzte und die Station vor die größten Herausforderungen, wenn sie sich bei ihrer nächtlichen Jagd buchstäblich an Zäunen „aufgehängt“ haben.“, so Hans-Jürgen Görze, Beauftragter für Greifvogelschutz im DFO und stellvertretender Landesvorsitzender. „Das Ausfallen eines Elternvogels bedeutet den sicheren Tod der jungen Käuze.“  Dr. Ruth Kothe, spezialisierte Greifvogelmedizinerin und Tierschutzbeauftragte des DFO: „Zaunanflüge sind in der Regel kompliziert und selten erfolgreich behandelbar. Zu den Brüchen kommen noch Infektionen, da die Eulen über Stunden oder gar Tage in den Zäunen hingen. Oft müssen wir euthanasieren.“

Steckbrief Waldkauz (Strix aluco)

Schutzkategorie

Besonders geschützte Art nach der Bundesartenschutzverordnung

Gefährdung

BRD = Bestand gilt als stabil, Ba-Wü = kurzfristig stabiler Bestand, langfristig keine Bestandsveränderung erkennbar, Rote Liste Ba-Wü: ungefährdet, flächendeckend, ca. 8000 Brutpaare

Kennzeichen

Durch ihr rindenfarbiges Gefieder sind Waldkäuze gut getarnt. Typisch sind die großen Knopfaugen und der Gesichtsschleier. Der Waldkauz gehört zu den größeren Eulen, wird ca. 40 cm groß und wirkt kompakt. Es werden eine helle, oft rötliche Variante und eine dunkle, bräunliche Variante unterschieden.

Verbreitung

Der Waldkauz ist über ganz Baden-Württemberg bis in höhere Lagen des Schwarzwalds verbreitet. Kleine Lücken zeigen sich in ausgeräumten Agrarlandschaften sowie in einigen Flächen der nördlichen Oberrheinebene.

Lebensräume

Reich strukturierte Landschaften mit alten Baumbeständen. Die Bandbreite reicht von Laub- und Mischwälder, Parkanlagen, alte Friedhöfe und Gartenstädte.

Lebensweise

Überwiegend nachtaktiv, während der Aufzucht gehen sie auch tagsüber auf Nahrungssuche. Beide Partner bleiben ein Leben lang zusammen. Die unverdaulichen Reste, z.B. Knochen, Haare, Federn werden im Magen zu rundlichen Ballen gepresst und wieder ausgewürgt. Diese Gewölle enthalten auch Knochenteile. Gelegegröße 2-6 Eier, Legebeginn kann sehr früh sein, bei uns in der Oberrheinebene schon ab Mitte Februar, Brutdauer ca. 30 Tage, Nestlingszeit ca. 33 Tage, nur eine Jahresbrut.

Nahrung

Vor allem kleinere Säugetiere, kleinere Vögel, Amphibien und Insekten.

Auffangstation des Deutschen Falkenorden in Karlsdorf-Neuthard

 

Die Auffangstation wurde nach einjähriger Bauzeit im Jahr 2004 eröffnet. Sie entstand im abgetrennten Teil eines Vogelparks, um infrastrukturelle Möglichkeiten zu nutzen. Die Kosten für die Anlage wurden zum gröβten Teil vom Land Baden-Württemberg aus Landschaftspflegemitteln mit EU-Kofinanzierung getragen. Der Landesjagdverband und die Gemeinde Karlsdorf-Neuthard beteiligten sich ebenfalls an den Gesamtkosten.

 

Neben der Pflege verletzter Vögel werden auch junge, aus den Nestern gefallene Tiere versorgt. Die kostenlose Mithilfe eines Tierarztes kann in Anspruch genommen werden. Für notwendige 

 

Blutuntersuchungen kann die Universität Heidelberg kontaktiert werden.

 

Neben Präsentationen werden auch kleine Führungen angeboten.

 

Die Station wird von einem pensionierten Biologielehrer und einem weiteren DFO-Mitglied geführt. Jährliche Arbeitseinsätze von Mitgliedern des Landesverbandes halten die Anlage instand. Kontakt und Erfahrungsaustausch besteht mit weiteren Pflegestationen und mit der Vogelwarte Radolfzell.

 

Jährlich werden durchschnittlich 150 Tiere versorgt. Mehrere Wiederfunde beringter Vögel bestätigen die gute und notwendige Arbeit der Station.

 

Die Station finanziert sich aus Mitteln des Landesjagdverbandes, Mitgliedsbeiträgen des DFO Baden-Württemberg und Spenden, sowie Patenschaften für einzelne Patienten.

Webadressen: Deutscher Falkenorden, Landesverband Baden-Württemberg: http://baden-wuerttemberg.d-f-o.de/dfo-bawue.html

 

Kontakt: Stephan Wunderlich, Friedenstrasse 26, 76461 Muggensturm, purchase@fiwe.de, 0171.535 8997

 

Bilder (6), Video (1): Frank Seifert/DFO, www.franksfotografie.de

 

Download Bilder/Video: 

https://www.dropbox.com/sh/v590zg95witvfnj/AAAGYH91o7mxJeSXYcB7FSF_a?dl=0

 

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